INKLUSION im FOKUS

Das Leitbild der Inklusion zielt – im Gegensatz zur Integration – auf alle Menschen und setzt damit das Ziel, Schule für alle Schüler (und auch für alle Lehrer) zu einem anregenden und angenehmen, fördernden und herausfordernden Ort des Lernens zu machen. Die ganze Schule gewinnt. (Wilfried W. Steinert)

Am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium Pirna/Copitz werden Schülerinnen und Schüler mit körperlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Besonderheiten in die einzelnen Klassenstufen integriert. Nach unserem Verständnis gehört zu einer umfassenden Schulbildung auch die Entwicklung sozialer Kompetenzen, die durch das gemeinsame Lernen somit unterstützt wird. Durch die Bereitstellung bestimmter Methoden einzelner Lehrkräfte kann jedes Kind individuell gefördert und unterstützt werden. Zudem erkennen die Schülerinnen und Schüler frühzeitig, wie unterschiedlich und besonders jeder Mensch ist.

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit und ohne Besonderheiten – überall dabei sein kann, dann ist es gelungene Inklusion.

Neben den Klassenleitern und Fachlehrern hier am Herder-Gymnasium gibt es zusätzlich noch eine pädagogische Mitarbeiterin, welche als Inklusionsassistentin unterstützend in der Schule arbeitet.

Susanne Hörnig, staatlich anerkannte Erzieherin und Mitarbeiterin der Fortbildungsakademie der Wirtschaft Dresden, kümmert sich besonders intensiv um Schüler der Klassenstufen 5 bis 7. Sie ist eine von vielen ESF-geförderten Inklusionsassistenten, die seit dem Schuljahr 2016 an öffentlichen und freien Schulen in Sachsen eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, die Lehrer beim gemeinsamen Unterricht zu unterstützen und damit die UN-Behindertenrechtskonvention an den Schulen in Sachsen umzusetzen.

Der Inklusionsassistent stärkt Kinder und Jugendliche mit Besonderheiten und/ oder sonderpädagogischem Förderbedarf, damit sie gleichberechtigt ihren Bildungsweg gehen können. Somit steigen ihre Chancen, die Schule erfolgreich zu absolvieren und den bestmöglichen Schulabschluss abzulegen. Präventiv unterstützt der Inklusionsassistent außerdem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf entstehen könnte als auch diejenigen, welche einfach nur etwas mehr Zeit benötigen, um hier am Gymnasium anzukommen.

Oft sind es die kleinen Dinge im stressigen Schulalltag, welche die Schüler sehr gern von Frau Hörnig annehmen. Sei es ein aufmunterndes Wort und Lob im Unterricht, die Hilfe bei den Hausaufgaben, das Erarbeiten neuer Lernmethoden, die Begleitung einer GTA oder das Gespräch unter vier Augen, auch einmal ohne Lehrer und Eltern.

In der heutigen Zeit kommen die Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen an unser Gymnasium. Einige haben Schwierigkeiten beim Lernen, zum Beispiel sich zu konzentrieren, den Lernstoff aufzunehmen oder die Aufgabenstellungen umzusetzen. Gleichzeitig zeigen andere sozial-emotionale Auffälligkeiten. Diese Schülerinnen und Schüler sollen so unterstützt werden, dass sie gemeinsam im Klassenverband lernen können und das Klassenziel erreichen. Ein großer und wichtiger Teil der Arbeit des Inklusionsassistenten ist zudem das soziale Lernen in der Gruppe bei außerschulischen Veranstaltungen, Klassenfahrten und Exkursionen. Ebenso werden Klassenleiter und Fachleiter bei Elternabenden, Elternsprechtagen sowie Einzelgesprächen vom Inklusionsassistenten unterstützt.

Ein regelmäßiger Austausch mit Fachlehrern und Eltern über Themen wie Hochbegabung, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie, Verhaltensoriginalitäten oder körperliche, kognitive oder seelische Beeinträchtigungen ist dabei zwingend.

Individuelle Besonderheiten erfordern eine entsprechend vorbereitete Umgebung und müssen bei der Begleitung im Schulalltag sowie der Unterrichtung der Kinder Berücksichtigung finden. Das stärkt die Schulgemeinschaft, lässt echte soziale Kompetenz für uns alle entstehen und erleichtert eine möglichst umfassende Teilhabe aller am Lernen und Leben in der Schule.

Die Schüler haben Susanne Hörnig mittlerweile schon vollumfänglich akzeptiert und genießen die zusätzliche Unterstützung durch sie. Auch die Lehrerschaft hat sie in ihr Team aufgenommen und legt viel Wert auf ihre unterstützende Arbeit.

Fakten zu den Inklusionsassistenten

Das Projekt wird durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfond als auch durch den Freistaat Sachsen finanziert. Insgesamt stehen für die Projektlaufzeit von fünf Jahren rund 51 Millionen Euro bereit. Die Inklusionsassistenten sind ausgebildete Erzieher, Heilerziehungspfleger oder besitzen einen Berufsabschluss im sozialen oder pädagogischen Bereich, mindestens auf Fachschulniveau. In den ersten Wochen ihres Einsatzes wurden sie in einem Qualifizierungskurs auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung bzw. sonderpädagogischem Förderbedarf vorbereitet. Die Inklusionsassistenten werden an Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Schulen zur Lernförderung und Berufsbildenden Schulen eingesetzt. Es sind öffentliche Schulen und Schulen in freier Trägerschaft dabei.

Hier am Herder-Gymnasium in Pirna Copitz läuft das Projekt “Inklusionsassistent“ unter der Trägerschaft der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH. Sie ist als Bildungs–und Personaldienstleiter mit 33 Akademien und über 150 Außenstellen in 12 Bundesländern vertreten.